„Braune Verführer“ ― Rechtsextreme Anwerbestrategien bei Jugendlichen im Web 2.0

12.01.2022

Am 21. Januar 2022 um 13 Uhr

Die Zeiten der Verteilung von rechten „Schulhof“-CDs sind längst passé. Mit ausgefeilten Strategien versuchen Multiplikatoren der Neonazi-Szene im Netz Jugendliche zu ködern und diverse Jugendkulturen zu unterwandern: mit Musik, rechten Memes und Posts, stylishen Klamotten und Sneakern, Codes und Symbolen, Verschwörungsnarrativen als auch in Telegram-Messenger-Gruppen. Der am 21. Januar um 13 Uhr stattfindende Workshop gibt einen ersten Einblick in die „braunen Verführungsversuche“.

Dabei ist es für Pädagog*innen, Eltern, Sozialarbeiter*innen und selbst Freunden in der eigenen Peer-Group ungleich schwerer geworden, zu erkennen, ob sich ein/e Jugendliche/r sukzessive radikalisiert: Vor 20 Jahren standen noch weißgeschnürte Springerstiefel im Hausflur, es hingen Reichskriegsflaggen im Jugendzimmer oder es dröhnten Bands wie „Störkraft“ oder „Screwdriver“ aus dem Lautsprecher. Heute hingegen findet die „Verführung in rechtsextreme Milieus“ weitaus subtiler und weniger offensichtlich statt. Identitäre und klandestine Neonazi-Kampfsportler kleiden sich in der Regel modisch und akkurat, schlüpfen in unauffällige Markenschuhe und tragen bürgerliche Frisuren ohne skandalträchtige Schädeltattoos. In Filterkammern und Echoräumen der endlosen digitalen Sphären des Social Web kreisen die Diskurse um die „Überlegenheit der weißen Rasse“, klassische Verschwörungserzählungen vom „perfiden Judentum“, der „New World Order“, vom „Großen Austausch“ bis hin zum „Great Reset“, von QAnon bis zu den Hasstiraden Attila Hiltmanns, Ellen Kositzas oder eines Jürgen Elsässer.

Für Jugendliche auf der Suche nach Identität und Selbstvergewisserung sind diese Kommunikationskanäle attraktiv und faszinierend. Auf digitalen Image-Boards oder auf klandestinen Foren im Darknet finden sie Gleichgesinnte, Gruppenzugehörigkeit, Zuspruch, Kameradschaft und Abenteuertum. Aber ebenso Referenzkanäle für ihre Sehnsüchte, ihre Bedürfnisse nach Anerkennung, „Wahrgenommenwerden“, nach Abgrenzung von der „öden Welt der grauen Erwachsenen“, nach Geltungsdrang und Protest. Da besonders laute, respektlose, diffamierende, hemmungslose, politisch enttabuisierte, sexualisierte und krasse Meinungsartikulationen in Posts und Threads vor dem Hintergrund der simplen Aufmerksamkeitsökonomie des WEB 2.0 besonders gehypt werden, droht die Gefahr, dass sich Jugendliche sukzessive radikalisieren.

Der Workshop diskutiert verschiedene mediale Zugänge zu rassistischen, menschenverachtenden Ideologien und rechtsextremen Genres sowie deren Erkennungsmerkmale und gesellschaftspolitischen Motive. Die Veranstaltung findet im Hybridformat statt - online via Zoom als auch in Präsenz im „Dr. K“, Dr.-Külz-Straße, 19053 Schwerin.

Anmeldung unter: westmecklenburg@raa-mv.de

Eine Veranstaltung des Schweriner Jugendrings sowie des RAA-Regionalzentrums Westmecklenburgs mit freundlicher Unterstützung des Programms „Demokratie leben!“ (PfD Schwerin).