Fortbildung „Künstler für Lehrer“

Zur Themenreihe: Methoden und Strategien der zeitgenössischen Kunst sowie Möglichkeiten der Anwendung im Alltag

Stempeln auf Folie beim Workshop "Künstlerische Forschung - Linien und Notate", Foto: Ines Sodmann
Stempeln auf Folie beim Workshop "Künstlerische Forschung - Linien und Notate", Foto: Ines Sodmann

In Kooperation des Mecklenburgischen Künstlerhauses Schloss Plüschow (Künstlerische Leitung Miro Zahra) mit dem IQ M-V startete im September 2017 die Fortbildungsreihe „Künstler für Lehrer*innen“ als Erweiterung des Projektes „Künstler für Schüler“. Das Ziel dieser Fortbildungsreihe ist die künstlerische Projektarbeit als Weg der Welterkenntnis - von der Kunst im künstlerischen Gestaltungsprozess lernen und diesen als pädagogischen Prozess begreifen.

Im Wesentlichen waren die Teilnehmer  Lehrer*innen des Landes MV (Fach Kunst und Gestaltung), Seiteneinsteiger*innen (ca. ein Drittel der Teilnehmer*innen) und Referendare*innen des Landes MV.

Zur Themenreihe „Methoden und Strategien der zeitgenössischen Kunst sowie Möglichkeiten der Anwendung im Schulalltag“ zählen bereits folgende Workshops:

1. „Paradoxie als Kraftwerk des Unterrichts“ mit der Künstlerin Andrea Pichl,

Vortrag zum Thema Wahrnehmung von Prof. Puritz

"Wir überprüfen ununterbrochen, ob denn alles, was es an Kleinigkeiten um uns herum gibt, in die Wirklichkeit passt. Und gerade wenn es etwas Kleines ist, das überhaupt nicht in unsere Erfahrung passt, ist das ein Schock ... Wie wir gesehen haben, wird die erfundene Wirklichkeit zur wirklichen Wirklichkeit nur dann, wenn die Erfindung geglaubt wird." (Paul Watzlawick)

2. "Künstlerische Forschung/ Muster und Ornamente im interkulturellen Austausch" mit der Künstlerin Juliane Laitsch

Vortrag zum Thema: Ornament. Muster – Modus – Bild von Nica Junker MA

3. Zusatzworkshop "Künstlerische Forschung/ Muster und Ornamente im interkulturellen Austausch" auf Grund der großen Resonanz bei der Teilnahmeanmeldung

Mehr zum Workshop "Künstlerische Forschung/ Muster und Ornamente im interkulturellen Austausch"

Muster und Ornamente wirken manchmal wie harmlose, unpolitische Schnörkel am Rande. Die Komplexität und Brisanz dieses Phänomens erschließt sich erst auf den zweiten Blick. Lange war das Ornament als funktionsloser Zierrat und damit als überflüssig verpönt. Das hat sich in den letzten Jahrzehnten gründlich  verändert. Große Ausstellungen zum Thema Ornament im Bereich der Bildenden Kunst und die Begeisterung von Menschen aller Altersgruppen für Mandala Malbücher und Zen-Tangle und -Doodle Zeichnungen belegen das. Angesagte Tätowierer*innen sind heute gutverdienende Stars. Zudem wird unser Alltag  durchdrungen von Mustererkennungsmaschinen, von Algorithmen, die unser Kaufverhalten, unsere Rhythmen und Rituale erkunden, um künftige Bewegungsmuster berechenbar zu machen.

Muster und Ornamente schaffen Verbundenheit und Identität, in den Fußballstadien genauso wie in den Kirchen. Und Muster und Ornamente funktionieren als Erkennungszeichen und eignen sich zur Abgrenzung. So lassen sich unterschiedliche Kulturen entlang ihrer Muster und Ornamente beschreiben. Ornamente strukturieren Raum und Zeit, sagt der Systemtheoretiker Niklas Luhmann. Ganz praktisch lässt sich das ablesen in der Abfolge unserer Feste und Mahlzeiten. Muster und Ornamente dienen der Stabilisierung von Botschaften, von Tagesabläufen und von Gesellschaften. Aber jede Wiederholung birgt das Potenzial für  Veränderung. Muster und Ornamente können kreativ und subversiv genutzt werden.

In dem Workshop soll die Funktion und kulturelle Einbettung von Mustern und Ornamenten ausgelotet werden, um so Möglichkeiten des interkulturellen  Austausches aufzuzeigen. Es werden Impulse gesetzt, um mit Schüler*innen eigene Muster zu erkunden und Formen der Darstellung zu finden. So wird es auch ermöglicht, sich ohne Beurteilung über Unterschiede und Verschiedenheit auszutauschen. Es sollen neue Muster produziert werden und mit Lust und Freude das Spiel von Wiederholung und Veränderung erfahren werden.

4. „Künstlerische Forschung - Linien und Notate“ mit Matthias Deumlich (Künstler, Berlin)


Vortrag zum Thema: Künstlerische Forschung von Dr. phil. Peter Funken (Kunstwissenschaftler und Kurator, Berlin)

Zu Beginn des 4. Workshops gab es ein kurzes Warm up mit gemeinsamer Bewegung zur Erhöhung der Wahrnehmungsbereitschaft. Ein ganzes Haus, ein vorbeigehender Mensch, ein Klang oder Sound, sowie Lichtflecken oder ein fallendes Blatt waren der Anlass für eine Linie, welche mit schnellen Strichen auf transparenten Folien, gespannt auf selbstgefertigten Pappframes, gezeichnet wurden. Dabei dienten die Frames als Bildausschnitt, Fenster oder Kameraersatz. Form, Bewegung, Klang und Licht wurden gleichwertig behandelt. Es entstanden Bewegungsdiagramme und skizzenhafte Notate, deren Linien im nächsten Schritt mit Draht weiter in den Raum geführt wurden.

Mehrere Frames, mit deren minimalistischen Liniensystemen, wurden durch Überlappung zu einem skulpturalen Gebilde zusammengefasst. Draht sollte hier auch als erweitertes Zeichenmittel verstanden werden. Zeichnung, transparente Folien, Draht, und Rahmen erzeugten einen neuen Raum.

In einem gemeinsamen Arbeitsschritt gruppierten die Teilnehmer*innen in einer klaren Raumposition Overhead- und Diaprojektoren zueinander. Es entstand ein Lichtraum zwischen Projektoren, weißen Wänden sowie weißen Screens auf leichten Stativen. Ziel war es, über die Wirkung des eigenen Objekts hinaus, ein "stimmiges" eindrucksvolles Gesamtbild zu erzeugen.

Zum Schluss stand wiederum Beobachtung - die Beobachtung des entstandenen Raumes - Transformationen - analog hergestellt - digital präsentiert.

Fachvortrag "Künstlerische Forschung" von Dr. Peter Funken

Ergänzend zum Thema hielt Dr. phil. Peter Funken (Kunstwissenschaftler und Kurator, Berlin) den Fachvortrag "Künstlerische Forschung". Der Vortrag besichtigte eine zentrale künstlerische Produktionsform der Gegenwart  – die künstlerische Forschung als Methode der Erkenntnis und der Herstellung von Kunstwerken...
Der Begriff der Forschung in der Kunst besitzt durchaus Dehnbarkeit und wurde zuweilen inflationär verwendet; klar aber ist, es gibt eine forschende Künstlertätigkeit
und sie tangiert – wie der amerikanische Schriftsteller Philip Roth sagt "das künstlerische Problem schlechthin".

Diesem Gedanken folgend, will sich der Vortrag an Beispielen der Bedeutung künstlerischer Forschung annähern und ihre zentrale Bedeutung für das künstlerische Handeln benennen.

Zum Fachvortrag "Künstlerische Forschung"

Feedback von Teilnehmern


Das Feedback aller Beteiligten war hervorragend und die Veranstaltung wurde als Erfolg für den ästhetischen Bereich reflektiert, verbunden mit dem ausdrücklichen Wunsch des Künstlerhauses Schloss Plüschow sowie der Kunstlehrer*innen nach Kontinuität und Etablierung solcher Fortbildungen für das Fach Kunst und Gestaltung in diesem Format.

„Es war eine sehr bereichernde Veranstaltung. Sehr nachhaltig und intensiv in der Umsetzung der Idee. Ich fand die Fortbildung ausgesprochen gelungen. Matthias hatte ein tolles Konzept.“ Gabi Donner

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