Medienprojekt des Monats – April 2009
Projektleiterin: Johanna Hertzsch
Allgemeines Ziel des Projekts
Ziel des Projekts „Martin Luther- Ein Hörspiel“ war es, den Versuch zu
unternehmen, ob ein vom Lehrplan „Evangelische Religion“ als verbindlich
vorgeschriebenes Thema im Rahmen des regulären Unterrichts (45 Minuten-Rhythmus, eine
Unterrichtsstunde Religion wöchentlich) von den SchülerInnen medial interessant umgesetzt werden
kann. Es ging in erster Linie darum, allen SchülerInnen gleichwertig die Gelegenheit zu geben, ihre
Medienkompetenz zu entwickeln. Dabei wurde von Anfang an bewusst ein möglicher Qualitätsverlust des
Endprodukts zugunsten der pädagogischen Ergebnisse mit einkalkuliert.
Die SchülerInnen hatten sich selbst das Ziel gesetzt, das Thema „Martin Luther“
als Hörspiel umzusetzen. Ihre Absicht war es, ein Produkt zu gestalten, das auch außerhalb ihres
Unterrichts sowohl in der Schule von anderen Klassen als auch schulextern verwendet werden kann.

Voraussetzungen
Die Klasse 7m (zur Zeit 8m) des Goethe-Gymnasiums Demmin ist eine Musikklasse. Alle
SchülerInnen (zwölf Mädchen und ein Junge) erhalten verbindlich eine Instrumental- und
Chorausbildung. Die SchülerInnen hatten die Voraussetzungen, alle Elemente eines Hörspiels
selbstständig zu gestalten. Zwei SchülerInnen verfügten über partielle Vorerfahrungen bei der
Erarbeitung von Hörspielen. Alle anderen SchülerInnen haben zum ersten Mal ein Hörspielmanuskript
erstellt, Geräusche erzeugt und Erfahrungen mit den Besonderheiten der Aufnahme von Hörspielen
gemacht. Der Vater eines Schülers, der Mitarbeiter der Kirchengemeinde Demmin ist, war so
freundlich, seine professionelle Technik für die Aufnahme und den Schnitt zur Verfügung zu stellen
und das Projekt in technischer Hinsicht zu begleiten.
Beteiligung der Teilnehmer
Alle Beiträge des Hörspiels wurden ausschließlich von den SchülerInnen selbst erstellt. Die
SchülerInnen entschieden über die Auswahl der Inhalte, der Lieder, der Instrumentalstücke und der
Geräusche selbstständig. Da es nicht möglich war, einen Chorsatz zum Lied „Ein feste Burg ist
unser Gott“ für zwölf Mädchen und einen Jungen ausfindig zu machen, komponierten alle
SchülerInnen eine zweite Stimme zu dem Lied. Sie haben sich dann in einem Auswahlverfahren für eine
Stimme entschieden.
An der Erarbeitung der Inhalte und des Produktionsmanuskripts waren alle SchülerInnen
gleichwertig beteiligt. Dabei war es mir als Lehrkraft besonders wichtig, auch die schwächeren
SchülerInnen vollständig in das Projekt miteinzubeziehen. Jeder hatte die Aufgabe, einen Teil des
Produktionsmanuskripts zu erstellen und diesen dann auch selbst aufzusprechen. So kommt es, dass z.
B. die Person Luther von verschiedenen SchülerInnen gesprochen wurde. Das mag auf manchen Hörer
möglicherweise befremdlich wirken. Die Koordination der verschiedenen Gruppen und der von ihnen
jeweils erarbeiteten Dialoge wurde ebenfalls selbstständig von einer Gruppe übernommen.
Zwei SchülerInnen haben Entwürfe für das Cover und das Label entworfen. Das Label spiegelt den
Kompromiss einer hochkontroversen Diskussion für und gegen die Entwürfe wieder. Es mag auf den
Betrachter uneinheitlich wirken. Es spricht meiner Meinung nach aber für die soziale Kompetenz der
Gruppe, sich auf diesen Kompromiss eingelassen zu haben. Die Gesamtgestaltung des Covers wurde von
den SchülerInnen ohne Unterstützung durch Lehrkräfte entworfen und umgesetzt. Die
Instrumentalstücke wurden von den Musiklehrerinnen vorgeschlagen und von den SchülerInnen eingeübt
und separat im Musikunterricht aufgenommen.
Lernerfolg der Teilnehmer
Den SchülerInnen ist es zum ersten Mal gelungen, ihre bisher separat voneinander erworbenen
Fähigkeiten (Gestaltung von Dialogen und Szenen, Chorsingen, Klavierspiel) in einem Projekt
gemeinsam zur Geltung zu bringen. Dabei haben sie erhebliches organisatorisches Know-how für die
Produktion eines Hörspiels erworben. Sie haben erstmalig ein Hörspielmanuskript erstellt, sind mit
den technischen Besonderheiten der Aufnahme von Musikstücken, Dialogen und Szenen vertraut geworden
und haben sich die Herstellung von Geräuschen ausgedacht und dieselben selbstständig
aufgenommen.
Arbeitsweisen/Methoden
Die Lehrkraft für Religion hat für die nötigen inhaltlichen und formalen Anregungen in Form
von Arbeitsblättern und ständiger persönlicher Beratung gesorgt. Nachdem die SchülerInnen die
Inhalte in gewohnter Weise erarbeitet hatten, haben sie arbeitsteilig das Hörspielmanuskript
erstellt. Die SchülerInnen, die für die Gesamtgestaltung des Hörspiels zuständig waren, haben die
Koordination der Dialoge selbstständig übernommen.
Der enge zeitliche Rahmen ließ nur eine Probeaufnahme zu. Die Aufnahme erfolgte aus
technischen Gründen im Jugendhaus der Stadt Demmin, da in der Schule kein von Außengeräuschen
geschützer Raum zur Verfügung stand. Technisch begleitet wurde die Aufnahme von dem Vater eines
Schülers.
Schwierigkeiten
Das Besondere dieses Projekts ist der zeitlichen Rahmen, in dem das Hörspiel produziert wurde.
Abgesehen vom Tag der Aufnahme wurde das ganze Hörspiel im Rahmen des regulären Unterrichts (45
Minuten-Rhythmus, eine Stunde Religion wöchentlich) erarbeitet. Nicht nur der daraus entstandene
Zeitdruck, sondern auch die für dieses Projekt anderen Unterrichtsformen verlangten den
SchülerInnen ein hohes Maß an Flexibilität ab.
Abgesehen von der technischen Betreuung eines Vaters der Klasse wurde das Projekt ohne
professionelle Hilfe von außen umgesetzt. Dafür wären zusätzliche Gelder nötig gewesen, die der
Schule nicht zur Verfügung standen.
Die gleichwertige Integration in den Produktionsablauf von leistungsschwächeren SchülerInnen
war ebenfalls eine Herausforderung.
Nachhaltigkeit des Projekts
Die Nachhaltigkeit des Projekts besteht im Erwerb des organisatorischen Know-hows sowohl für
die SchülerInnen als auch für die Lehrkräfte. Dieses Projekt kann von anderen Lehrern der Schule
als Modellprojekt verwendet werden.
Mit einem Hörspiel sind die verschiedensten Zielgruppen ansprechbar. Es kann sowohl innerhalb
des Schulbereichs als Unterrichtsmedium als auch außerhalb der Schule ohne großen technischen
Aufwand eingesetzt werden.
Ein Hörspiel ist ein vergleichsweise zeitloses Medium, das auch nach Jahren noch Interesse
finden kann. Es besteht nach Bedarf die Möglichkeit, das Hörspiel ohne großen zeitlichen und
finanziellen Aufwand zu vervielfältigen und zu verteilen.
Schließlich dient dieses Projekt der Imagepflege des Gymnasiums mit seinem speziellen
musikalischen Schulprofil.
Finanzierung
Das Projekt wurde ausschließlich durch den Vater eines Schülers, der kostenlos seine Technik
und Hilfe zur Verfügung stellte und mir, als Lehrkraft für Religion privat finanziert.