Klassenstufe: 9. Klasse
Facheinordung: Walobligatorischer Unterricht
Anzahl der Schüler: 16
Wochenstunden: 2
Im Schoß des Bekannten nistet das Unbekannte. Vertrautes ist auch rätselhaft, es hängt von der Perspektive ab, aus der man schaut. 16 Schülerinnen und Schüler des Runge-Gymnasiums in Wolgast rücken der Stadt mit einem Strauß frischer Fragen auf den Leib. Die Jugendlichen dreier neunter Klassen arbeiten klassenübergreifend zusammen, angeleitet durch den virtuellen Lernraum SCHOLA-21. Für die Stadtforschung, die Reise ins Wunderland des Alltäglichen, ist ein Schuljahr angesetzt. Zwei Stunden aus dem wöchentlichen Wahlpflichtunterricht knappst das Gymnasium hierzu ab.
Die Fragestellung der Neuntklässler ist anspruchsvoll, schließlich wollen sie wissen: „Wie
funktioniert unsere Stadt?“ Und darüber hinaus: „Ob eine Stadt überhaupt im
Gleichgewicht sein kann“. Sie fächern die Fragen in geografische, biologische, chemische und
physikalische Gesichtspunkte auf und bilden diesen Perspektiven entsprechend vier Arbeitsgruppen.
Ob Wolgast aus der Vogelperspektive, Wolgast und seine Umwelt, Wolgast und sein Wasser oder Wolgast
und seine Kräfte – bei der gruppenübergreifenden Ideensammlung mit Hilfe der interaktiven
Mind-Map-Methode klären die Schüler die groben Züge des Forschungsvorhabens und machen sich
anschließend in den Arbeitsgruppen an den Feinschliff. Sie beschränken sich nicht auf Literatur zum
Thema. Vielmehr gehen sie nach draußen, sprechen mit Fachleuten aus dem Stadtrat, Gesundheitsamt,
Umweltamt, den Stadtwerken, der Müllabfuhr und einfach mit Menschen auf der Straße.
Die Forschungsergebnisse werfen ein Schlaglicht auf die gesellschaftlichen und politischen Veränderungen in Deutschland, die sich im Kleinen wiederspiegeln. Allerdings klären die AGs schon aus Zeitmangel nicht alle Fragen. Die Geografie- AG brachte in einem Interview mit einem ortsansässigen Arzt zutage, wie die Menschen aufgrund der Gesundheitsreform seltener den Arzt aufsuchen und sich selbst verarzten oder wie Menschen aufgrund der Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren, auf Krankschreibung verzichten. Die Biologie-AG deckte bei der Befragung im Wolgaster Umweltamt auf, dass Ein-Euro-Jobber Umweltsündern auf die Fersen gesetzt werden. Warum keine Festangestellten? Manche Kommunen hängen am Tropf wie der Patient in der Klinik. „Im Unterricht haben wir nie wirklich Gelegenheit, um so nah an die Sache heranzugehen“, reflektieren die Jugendlichen.
Das Projekt wurde im Rahmen des Programms der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung
"Lebenswelt Schule" evaluiert. Dokumentation des Projekts -
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Schautafel des Projekts -
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Ausgezeichnet im Bundeswettbewerb "Zeigt her eure Schule!"
Dokumentation:
Raus aus der Schule – rein in die Stadt
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Preisträger-Präsentation öffnen
Die Frau des Bundespräsidenten Eva Luise Köhler spricht mit den Schülern des
Runge-Gymnasiums über die Projektergebnisse. Die Preisverleihung fand in der Königlichen
Porzellanmanufaktur in Berlin statt.